Was fehlt?

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Dieses Thema enthält 1 Antwort, hat 1 Stimme, und wurde zuletzt vor vor 3 Jahre, 10 Monaten von  Daniel Kreutz aktualisiert.

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  • #219

    Daniel Kreutz
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    Die Frage ist keine Kritik am Buch. Noch dicker hätte der Wälzer nicht sein dürfen, und erst Recht würde jeder Anspruch auf (annähernde) Vollständigkeit das Projekt hoffnungslos überfordern. Deshalb konnte es nur – viele! – Schlaglichter werfen. Unvermeidlich fehlt manches, auch solches, das durchaus bedeutsam war. Mir fiel dazu ein:
    Der Kampf um Stollwerck (1980) für die Umnutzung der ehemaligen Fabrik in der Südstadt zum alternativen Wohnprojekt, ein Kampf der mit einer siebenwöchigen Besetzung, an der bis zu 600 Leute teilnahmen, und mit (für beide Seiten) schwierigen Verhandlungen mit der Stadt verbunden war. Aber immerhin gibt’s bei Wikipedia unter „Stollwerckbesetzung“ einen recht ausführlichen Artikel.
    Die große Kölner Protestaktion gegen den Sozialabbau der sozialdemokratisch geführten Bundesregierung unter Helmut Schmidt (Haushaltsstrukturgesetz 1981), die mit maßgeblicher Beteiligung der Gewerkschaften tief ins sozialdemokratische Milieu hineinreichte. Entgegen früherer „Gewohnheiten“ tolerierte der Kölner DGB, dass sich auch die alternative/radikale Linke im Rahmen eines „Markts der Möglichkeiten“ auf dem Haubrich-Hof präsentierte. Die Kundgebung der Demo fand auf dem Neumarkt statt.
    Der Kampf der Belegschaften der Ehrenfelder Metallbetriebe gegen Betriebsschließungen (ca. 1982/1983). Die Ehrenfelder Klein- und Mittelbetriebe waren damals ein bedeutender Faktor in der Kölner IG Metall. Sie sicherten dort die Mitte-Links-Mehrheit gegen die von mafiösen Strukturen dominierte „Interessenvertretung“ der Großbetriebe Ford und KHD. Im Herbst 1982 beschloss die „Ehrenfelder Arbeitsgemeinschaft“, ein regelmäßiger Treff von Betriebsräten, Vertrauensleuten und Mitgliedern der IGM, lieber den gemeinsamen öffentlichen Kampf gegen eine bevorstehende Welle von Betriebsschließungen und –verlagerungen aufzunehmen als einzeln sang- und klanglos unterzugehen. Doch auch eine gemeinsame Demonstration durch Ehrenfeld konnte die Schließungen nicht abwenden. Sie veränderten nicht nur die Struktur des proletarischen Stadtteils und schuf die Voraussetzungen für dessen spätere Gentrifizierung, sondern auch die Kräfteverhältnisse in der Kölner IGM.
    Themen der vielfältigen Aktivitäten internationaler Solidarität zwischen 1970 und 1990 waren neben den im Buch erwähnten etwa auch:
    • Portugals „Nelkenrevolution“ 1974
    • Gegen die deutsche Teilnahme an Fußball-WM 1978 in Argentinien unter der blutigen Militärdiktatur General Videlas
    • „Solidarität mit Solidarnosc“: Auch in Köln arbeitete ein Solidaritätskomitee gegen die brutale Niederschlagung der großen unabhängigen Gewerkschaftsbewegung im „nominalsozialistischen“ Polen durch den Militärrat unter General Jaruzelski, der dazu die polnische Zivilregierung weggeputscht hatte (1981).
    • Malvinenkrieg zwischen Großbritannien und Argentinien 1982; die Linke wandte sich auch mit einer Demo in Köln gegen den britischen Spätkolonialismus auf der Inselgruppe vor der argentinischen Küste.
    • Britischer Bergarbeiterstreik 1984/85; Kölner Frauengruppen organisierten eine Solidaritätsveranstaltung, auf der Frauen der Bergarbeiter referierten. Diese trugen maßgeblich die Solidaritätsarbeit mit dem Kampf ihrer Männer, dessen Niederlage der britischen Arbeiterbewegung für lange Zeit das Kreuz brach.

    #220

    Daniel Kreutz
    Teilnehmer

    Oops! Natürlich fehlt die Stollwerck-Besetzung NICHT (vgl. S. 465-470). Da hatte ich im Wälzer den Überblick verloren. Sorry und Asche auf mein Haupt!

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